Le 6 A

Jedes Zimmer hat den Namen von einem der weiblichen Figuren des berühmten Schriftstellers von Triest

Le 6 A

Der Name „Die sechs A“ ist einerseits Italo Svevo gewidmet, den Eugenio Montale als „ein Stück Triest“ definiert, und andererseits Triest, der „Stadt in Person“, der geheimen Matrix verschiedenster Vorkommnisse und Gegebenheiten, der Stadt des Verkehrs, aber auch der Stadt der Seelen und Symbolstadt wie Kafkas Prag oder Joyce’s Dublin. Daneben sind „die sechs A“ über die Namen von Svevo’s weiblichen Hauptfiguren auch den Triester Frauen gewidmet, die traditionell schön, frei, solidarisch und stark sind.

Annetta

Annetta, weibliche Hauptdarstellerin in „Una vita“ ist die junge und unbeschwerte Tochter des reichen Bankiers Maller: lebhaft, leidenschaftlich, leicht herablassend, von Verehrern umgeben und mit schriftstellerischen Ambitionen. Sie überzeugt Alfonso Nitti, einen vierhändigen Roman zu schreiben, der sich jedoch als unlesbares Sammelsurium entpuppt. Nachdem Alfonso Annetta verführt hat, sucht er sein Glück anderswo und Überlässt ihr alle schicksalhaften Entscheidungen.

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Italo Svevo stellt sie so vor:

… Fräulein Annetta betrat den Raum und Alfonso erhob sich verwirrt. Sie war schön, wenngleich ihr breites rosiges Gesicht ihm nicht gefiel. Groß gewachsen, mit einem hellen Kleid, das ihre ansehnlichen Rundungen noch unterstrich, war sie nicht der Typ für Sentimentale. Bei aller Formperfektion fand Alfonso, dass das Auge nicht schwarz genug und die Haare nicht lockig war. Er hatte keine genaue Erklärung dafür, aber hätte sie so gewollt.

Amalia

Amalia ist die Schwester von Emilio Brentani, dem Protagonist in „Ein Mann wird älter“.

Die zuvorkommende und äußerst rücksichtsvolle und umsichtige Frau lebt zurückgezogen; sie ist die Verkörperung der Schicklichkeit und Ehrenhaftigkeit des Bürgerstands und das weibliche Idealbild der damaligen Zeit: ein Leben für die Familie und das Wohlergehen des Mannes.

Amalia lebt resigniert den grauen Alltag mit ihrem Bruder, ohne jemals einen Gedanken an die Liebe verschwendet zu haben; als jedoch Emilio sich verliebt, fängt sie an zu träumen und hegt die „verrückte Hoffnung“, dem Bildhauer Stefano Balli zu gefallen, der oft Gast in ihrem Haus ist. Und sie leidet still und in nächtlichen Fantasien.

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Italo Svevo zeichnet folgendes Bild von ihr:

Ihre Familie? Eine einzige, weder in körperlicher noch moralischer Hinsicht weiter ins Gewicht fallende Schwester, klein und blass, einige Jahre jünger als er, aber älter im Wesen und (vielleicht) aus Bestimmung. Von den beiden war er der Egoist, der Junge, sie lebte für ihn wie eine Mutter, die sch selbst vergessen hat …

Fräulein Amalia war niemals eine Schönheit gewesen; groß, dürr, farblos… aus ihrer Mädchenzeit waren ihr nur die wunderbar geformten, zarten weißen Hände geblieben, denen sie all ihre Sorge und Pflege widmete.

Angiolina

In „Ein Mann wird älter“ ist Angiolina Zarri die wunderschöne junge Frau aus dem Volk, die eine fatale Anziehung auf Emilio ausübt, der er sich ihr anfangs nur zur Aufhellung der grauen Monotonie seiner Existenz für ein Abenteuer hingibt. Doch er verliert den Kopf und sie schenkt ihm den einzigen bunten Karneval in einem Leben, das nur aus Fastenzeit zu bestehen scheint.

Die freie, sinnliche, lebhafte, unverfälschte und naive, wechselhafte und ungreifbare Angiolina ist eine Kraft der Natur, wild und unbändig. Sie ist wie ein Feuer. Ihre überschäumende Sexualität gerät mit den bürgerlichen Konventionen im Triest am Ende des 19. Jahrhundert in Konflikt.

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Italo Svevo beschreibt sie wie folgt:

Angiolina, ein Blonde mit großen blauen Augen, hoch gewachsen und stark, aber schlank und wendig, mit einem vom Leben erleuchteten Gesicht und gesunder, Bernstein farbener Haut, lief an seiner Seite, den Kopf zur Seite geneigt, wie durch das Gewicht des vielen Goldes an ihr …

Ada

Zeno Cosini, Protagonist in „Zenos Gewissen“, wird ins Hause Malgenti eingeladen, wo er die vier Töchter des Hausherrn kennen lernt. Ada, die zweitälteste, ist schön, klug und besitzt alle Tugenden. Sie lehnt Zonos Heiratsantrag ab und entscheidet sich für eine Hochzeit mit Guido Speier, einem ebenfalls fähigen Mann, der ihre selbe soziale Stellung und Herkunft besitzt. Doch sie verwirklicht sich weder in der Heirat, noch in der Mutterrolle. Sie wird bissig und intransigent und mit der Zeit vernebelt und schließlich erlöscht ihr Geist und Fällt Zenos ständigem Alptraum zum Opfer, der Krankheit: ein Leiden, das ihre Schönheit verunstaltet.

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Hier der Auftritt Adas, gemeinsam mit einer ihrer Schwestern:

Endlich betreten Ada und Alberta den Raum. Ich atmete tief ein: beide waren schön und erfüllten den bis zu diesem Zeitpunkt dunklen Salon mit Licht. Beide brünett, schlank und hoch gewachsen, jedoch sehr verschieden untereinander. Ada war bereits eine Frau, mit ernsten Augen in einem Gesicht, das für seine bessere Makellosigkeit ein bisschen bläulich erschien; ihre füllige Lockenpracht war anmutig und streng frisiert.

Dieses erste Mal erfüllte mich beim Anblick Adas ein einziger Wunsch: ich wollte mich in sie verlieben, denn daran führte kein Weg vorbei, wenn ich sie heiraten wollte.

Alberta

Alberta ist die dritte der Malfenti-Schwestern und noch Jugendliche: schön, sanft und fröhlich, lehnt lächelnd, ohne Scham oder Röte Zenos Heiratsantrag ab, da sie noch weiter auf die Schule gehen möchte.
Ihm vertraut sie auch als erstem ihren geheimen Herzenswunsch an: sie möchte Schriftstellerin werden. Sie ist der Bezugspunkt für Mutter und Schwestern, nimmt strahlend die Ankündigung der Verlobung Augustas auf und erklärt Zeno, ihm eine gute Schwester sein zu wollen. Doch später ändert auch Alberta ihre Meinung und heiratet.

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Italo Svevo stellt sie so vor:

Endlich betreten Ada und Alberta den Raum. Ich atmete tief ein: beide waren schön und erfüllten den bis zu diesem Zeitpunkt dunklen Salon mit Licht. Beide brünett, schlank und hoch gewachsen, jedoch sehr verschieden untereinander. Albersta war damals etwas mehr als siebzehn Jahre alt. Wie ihr Mutter hatte sie – trotz ihrer brünetten Haarfarbe – eine rosa farbene und durchscheinende Haut, was die Kindlichkeit ihres Wesens noch unterstrich …

Ich blickte sie an! Sie ähnelte Ada! Sie war wie sie, nur ein bisschen kleiner, und ihr Körper zeigte deutliche, noch nicht ausgelöschte Spuren der Kindheit. Sie erhob leicht die Stimme und ihr häufig überdrehtes Lachen verzerrte ihr Gesicht und ließ es stärker erröten.

Augusta

Augusta ist die älteste der Malfenti-Schwestern und nimmt als einzige sofort den Heiratsantrag Zenos an, da sie – wie sie ihm später anvertrauen wird – bereits verliebt in ihn war, bevor sie ihn kennen lernte und obwohl sie weiß, dass Zeno sie nicht liebt. Sie ist schieläugig, von kräftigem Körperbau und wenig anmutig, besitzt jedoch eine kluge Schönheit von innen, die sie als gesund und aktive Person erscheinen lässt. Augusta ist der Innbegriff einer rechtschaffenen, bürgerlichen und traditionell geprägten Frau, beispielhafte Ehefrau und Mutter, perfekte Organisatorin des häuslichen Lebens und sie offenbart und verbessert sich in der Ehe, wird zur ruhigen und liebevollen Gefährtin Zenos, stets bereit, ihm in kritischen Momenten stützend zur Seite zu stehen.

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Italo Svevo stellt sie so vor:

Im eleganten und riesigen Salon … traf ich auf Augusta, allein und ein Buch neben einem Fenster lesend … und von den vier Mädchen mit gleichem Anfangsbuchstaben war in dem Moment eine für mich gestorben. Wie konnten sie die hier nur als schön bezeichnen? Ihre starke Schieläugigkeit springt einem förmlich ins Gesicht und personifiziert sie auch nach längerer Abwesenheit völlig. Auch ihre Haare waren nicht sehr voll, blond, aber ohne jeden Schimmer und matt, ihre ganze Figur nicht ungestaltig, vielleicht etwas dick für ihr Alter. In den wenigen Augenblicken, die ich allein blieb, dachte ich: „Hoffentlich ähneln die anderen drei nicht der hier!“…

Die Frauen von Triest gewidmet

schöne, frei, einig und stark

Residenza le 6 A